Nur das Beste für Konrad

Organic

Reinhard ist derzeit noch beschäftigt (siehe http://www.freiland.org.at) und ich wollte immer schon auf einem Bio-Schweinebetrieb arbeiten. Also bin ich vorausgefahren – zu Konrad nach Oberösterreich. Dieser Konrad heißt nur wie unser Sohn, sieht ihm aber in keiner Weise ähnlich. Konrad ist nämlich ein Sucheber.

Hauptaufgabe: Stinken

Ein Sucheber ist ein männliches (armes) Schwein, das den weiblichen Schweinen – den Zuchtsauen – Lust machen soll. Der Job eines Suchebers ist es, einige Tage nachdem die Sauen von ihren Ferkel getrennt wurden, vor den Nasen der Schweinedamen spazieren zu gehen. Und dabei Schaum mit dem Maul schlagen, grunzen und: Ordentlich stinken. Dieser „Ebergeruch“ bringt die Hormone der Sauen in Wallung, es kommt zu  Eisprüngen und die Sauen lassen sich decken – bzw. besamen. Denn Konrad darf selbst nicht mehr decken. Er hatte letztens ein Kreislaufproblem und soll sich nach tierärztlichem Rat nicht mehr aufregen. Also kann er nur noch vor den Sauen herumgehen – und stinken. Die Samen zur Entstehung neuer Ferkel kommen nun von „besseren“ Zuchtebern – aus der Tube.

Wenig Futter, aber gutes

Somit hat Konrad also im Grunde genommen nichts zu tun außer im richtigen Moment da zu sein. Das genießt er, er liegt herum, kaut am Bio-Stroh oder lässt sich streicheln. Aber: Wer nichts zu tun hat, wird fett, sollte er zu viel (fr)essen. Schwerer als sein Normalgewicht von 300 Kilogramm soll Konrad nicht werden. Also bekommt er nur drei Kilogramm Futter pro Tag. Das ist aber zu 100% Bio.

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Konrads tägliche Mahlzeit besteht aus einer Mischung mit Bio-Triticale, Bio-Hafer und Bio-Ackerbohnen. Diese Pflanzen sind auf den Äckern seines Heimatbetriebs gewachsen. Das ist typisch, denn die drei Früchte zählen zu den am häufigsten angebauten auf Oberösterreichs Bio-Betrieben. Im Gegensatz zu konventionellem Ackerbau: Dort dominieren Weizen und Mais (siehe Tabelle unten). Dazu kommen Bio-Sojakuchen von den eigenen Bio-Sojabohnen sowie Bio-Rapskuchen, Bierhefe und Mineralstoff-Ergänzungen, die sein Bio-Bauer vom Futtermittelhändler zukauft.

Die sieben häufigsten Bio-Ackerfrüchte im Vergleich zu den häufigsten Ackerfrüchten insgesamt in Österreich 2014 (Eigene Berechnungen nach „Grüner Bericht 2015“, Tabellen 20101 und 20405):

 Bio-Ackerbau OÖ Prozent Ackerbau Gesamt Ö Prozent
Kleegras 19,3 Winterweizen 20,5
Ackerwiesen, -weiden 10,3 Körnermais 16,0
Triticale 10,3 Silo- und Grünmais 6,2
Roggen 6,8 Wintergerste 6,1
Ackerbohnen 6,4 Sommergerste 4,7
Hafer 5,7 Kleegras 4,6
Winterweizen 5,0 Ackerwiese, -weiden 4,4

Die pro Jahr geernteten 80 Tonnen Triticale, 15 Tonnen Hafer und 25 Tonnen Ackerbohnen lagert Konrads Bio-Bauer im Obergeschoß über dem Schweinestall.

Triticale un Hafer im Futterlager

Triticale und Hafer im Futterlager

Alle vier Wochen kommt die mobile Mahl- und Mischanlage. Dieses fahrbare Gerät, das auf einen Lastwagen aufgebaut ist, saugt wie ein Riesen-Staubsauger die Getreide- und Bohnenkörner ein, zerkleinert sie so, dass sie zumindest durch ein 4,5 mm-Sieb passen, und vermischt sie mit den restlichen Zutaten. Letzte Woche tat sie das mit insgesamt zehn Tonnen. Die fertige Mischung hat die Anlage dann in die zwei Silos hinter Konrads Stall geblasen. Zeit ist bekanntlich ja Geld, also muss alles schnell gehen: Für zehn Tonnen benötigte der Mischer von Ankunft bis Abfahrt nicht mehr als eineinhalb Stunden. In vier Wochen ist er wieder da für die nächsten zehn Tonnen. Denn: Konrad und seine 16 Sauen sowie deren Nachwuchs fressen zusammen 130-140 Tonnen Futter im Jahr.

Die Mahl- und Mischanlage bläst die Futtermischung in die Silos.

Die Mahl- und Mischanlage bläst die Futtermischung in die Silos.

Konrad bekommt zu dieser Mischung noch ein paar Extras dazu: Mineralstoffe, Säure und Weizenkleie. Diese werden in der Futterkammer abgewogen, untergemischt und in „kleinen“ Säcken (für zirka 800 Kilogramm) zwischengelagert. Aus diesen Säcken lässt dann die Volontärin – also ich – das Futter in einen Kübel rieseln und füttert sie Konrad.

Futtermischer und Zwischenlager

Futtermischer und Zwischenlager

Der freut sich, grunzt (höre das in einem eigenen Beitrag!) und genießt. Dann legt er sich ins Stroh und stinkt leise vor sich hin.

Mahlzeit, Konrad!

Mahlzeit, Konrad!

Beitrag von

Sonja Wlcek
Sonja Wlcek
Ich bin Sonja Wlcek, Bio-Schweineexpertin, Beraterin, freie Journalistin und Hobby-Grafikerin.