Die Sprache der Schweine

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Schweine sprechen miteinander. Manchmal auch mit mir. Nicht alles kann ich verstehen, und nicht alles was ich verstehe, werde ich hier darstellen. Aber vielleicht bekommst du einen kleinen Eindruck von der schweinischen Sprache. Verzeih mir bitte die Nebengeräusche, ich habe alles mit dem Handymikrofon aufgenommen.

Wie Mastschweine reden

In der Früh sind Mastschweine höflich und grüßen mich, wenn ich komme. Hier hörst du zuerst, wie sich ein Mastschwein ärgert, weil ich es beim Betreten des Stalls aufgescheucht habe: „He! Lass mich!“ Und wie mich dann die anderen der Gruppe grüßen: „Guten Morgen. Du kommst aber früh. Hast du  Frühstück mitgebracht?“

Am Nachmittag sind sie dann schon munter und werden aufgeregt, wenn ich in den Stall komme. Sie sagen: „Hallo-hallo! Was willst du da? Wonach riechst du? He Kumpel, lass mich vor! Ich will die Sonja auch sehen! Ist das spannend!“

Wenn sie für sich sind und nicht schlafen, erkunden sie ihren Stall und plaudern miteinander: „Was hast du da, darf ich auch einmal riechen? Darf ich mich zu dir legen? Lass mich mal bitte vorbei. He – steig nicht auf mich drauf!“ Ein Schwein schüttelt den Kopf, da hört man wie die Ohren fliegen!

Ein Tier habe ich absichtlich geärgert, und es sagt mir ganz deutlich: „Du störst mich – lass mich in Ruhe!“

Einmal bin ich überraschend in den Stall gekommen und habe die Gruppe erschreckt. Da hat eines der Mastschweine die anderen bellend gewarnt: „Achtung! Achtung! Schnell weg hier!“ Das klang so:

Sauen brummen, Ferkel quieken

Geräusche des morgendlichen Fütterns:

Es sind Ferkel geboren worden. Wenn du genau hinhörst, kannst du eines davon mitten im Stalllärm ganz leise fiepen hören. Klingt fast wie eine Maus!

Wenn eine Sau ihren Ferkeln anbietet, sie zu säugen, lockt sie sie mit tiefer Stimme. Oft kommen dann die anderen Sauen im Stall auf die Idee: „Jetzt könnte ich auch meine Ferkel säugen!“ und locken ebenfalls. Alle Ferkel werden aufgeregt und laufen zu ihren Müttern. Dabei streiten sie, weil sich jedes Ferkel in der ersten Lebenswoche seine eigene Zitze erkämpft hat und diese gegenüber seinen Geschwistern verteidigen muss. Da ist dann ein ziemlicher Lärm im Stall, das hört sich etwa so an:

Haben dann alle Ferkel ihre Zitze und die Sauen liegen gemütlich da, wird es ruhig und beschaulich:

Einmal lag eine Sau gemütlich im Stroh, da wollte genau an dieser Stelle eine andere durchgehen. Du kannst ganz deutlich hören, dass sie sagt: „Ich will nicht aufstehen! Lass mich in Ruhe! LASS MICH IN RUHE!“

Und mit einem Schreckquietscher eines kleinen Ferkels („Huch!“) lasse ich dich auch in Ruhe!

Beitrag von

Sonja Wlcek
Sonja Wlcek
Ich bin Bio-Schweineexpertin, Beraterin, freie Journalistin und Hobby-Grafikerin. Meine Interessensgebiete reichen mittlerweile von Nutztierhaltung über Urban Gardening bis zum Bodenschutz. Mein Leben bleibt spannend!