Meine Antworten auf die 20 häufigsten Fragen zum Sabbatical

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Wieder zu Hause, zurück aus einem Jahr Sabbatical, haben uns Freundinnen und Arbeitskolleginnen so manche Fragen gestellt. Manchmal wollten sie auf die Antworten gar nicht warten, sondern haben (wieder) von sich erzählt… Macht nichts! Hier meine Antworten auf die häufigsten 20 Fragen – ich habe sie unabhängig von Reinhard beantwortet. Und dazu meine zehn Lieblingsfotos, natürlich alle von Reinhard.

Wie war’s?

Eh recht gut.

Was war das Schönste?

Dass Reinhard mit mir mitgefahren ist. Und dass wir so viele freundliche, offene, hilfsbereite Menschen getroffen haben.

Was hat am meisten genervt?

Das lahme oder gar nicht vorhandene Internet. Da hat das Aufladen mancher Blogbeiträge den ganzen Abend gedauert – und dann erst recht nicht geklappt.

Hat’s das eine Jahr privat forschen gebracht?

Auf jeden Fall! Kann ich jeder und jedem empfehlen!

Was ist die Haupterkenntnis des Jahres?

Privat hab ich gelernt, dass ich das, was ich tun will, einfach nur tun muss. Klingt einfach, ist es aber nicht! Denn: Was denken die anderen dann über mich? Ob ich das schaffe? Ist das nicht gefährlich, blöd, langweilig, abgedroschen und so weiter? Mein größter Lerneffekt für mich persönlich war: Alles geht! Oder zumindest fast alles. Ich muss mich nur trauen.
Fachlich hat mich der achtlose Umgang der Menschheit mit unserem Boden schockiert! Sei es aus Dummheit, Armut oder Tradition: Überall zerstören die Menschen diese unwiederbringliche Ressource – durch Überweidung, Versalzung oder einfach durch falsche Bewirtschaftung mit daraus folgender Erosion. Und weder eine „kleine“ noch eine „traditionelle“ (Subsistenz-)Landwirtschaft muss wirklich „gut“ sein.

Warum wolltest du eigentlich weg?

Weil auf meiner Liste „Was ich noch tun will, bevor ich sterbe“ eine Weltreise steht. Und weil ich gemerkt habe, dass ich mein Arbeitspensum und -tempo nicht mehr lange aufrechterhalten kann. Und weil sich mit dem Austausch-Schuljahr des Sohnes ein mögliches Zeitfenster aufgetan hat.

Ist es nun besser als vor dem Sabbatical?

Jein. Einerseits hat mir persönlich dieses Jahr eine geistige Erweiterung und Entspannung gebracht, andererseits hat sich in meinem Beruf kaum etwas geändert.

Kann man sich ein Jahr ohne Erwerbsarbeit leisten? Was hat der Spaß gekostet?

Klar, wenn man so wie wir weder Schulden hat noch besonders hohe Ansprüche. Und wenn man in billige Länder reist. Reinhard hat ein tägliches Budget veranschlagt und das konnten wir einhalten: Zu zweit maximal 50 Euro pro Tag – inklusive Reisekosten. Vielen Dank an dieser Stelle an Verena und Toni Blum, an Johannes Winckler, an Yasser Fikry, an YESD und natürlich an Le und Michael Schneider, die uns mehrere Tage bis viele Wochen bei ihnen wohnen (und mitarbeiten) ließen.

War’s gefährlich?

Ja, in den marokkanischen Taxis und während der nächtlichen Busfahrten in Ägypten. Aber nie wegen Menschen oder Tieren.

80 Blogbeiträge in 10 Monaten – das ist Arbeit! Wolltest du nicht eine Auszeit?

Ja, eigentlich schon. Manchmal haben mich diese Beiträge auch gestresst. Aber sie haben die Fragen fokussiert und meinen Blick geschärft.

Wie hast du die Reise eigentlich geplant?

Reinhard und ich haben uns auf gewisse Regionen vorab geeinigt. Ich habe Busfahrkarten nach Genua und die Überfahrt nach Tanger einige Tage vor der Abreise gebucht. Alles andere haben wir uns vor Ort überlegt und sind dorthin gefahren, wo es uns hingeführt hat. Oder wir sind geblieben.

Warum gerade Nordafrika und Südostasien?

Ich wollte einerseits in Schwellen- und Entwicklungsländer, weil ich dort noch nie war. Aber andererseits nicht in für allein reisende Frauen „gefährliche“ Regionen. Zu Beginn war ja nicht klar, dass Reinhard mitkommt. Und Asien interessierte mich schon lange.

Hattest du Heimweh? Sehnsucht nach den Kindern?

Nein. Aber es war mir wichtig, für Notfälle oder Probleme der Kinder erreichbar zu sein. Sie wollten dann aber sowieso kaum mit uns reden…

Wie hast du dich in den diversen Ländern verständigt?

In Englisch. In Marokko reichte mein Französisch nur für Fragen nach dem Weg und ein bisschen Smalltalk. Wenn beide Sprachen nicht gesprochen wurden, wie bei Berbern im Hohen Atlas oder bei den einfachen Bergvölkern in Nordvietnam, habe ich Bilder in ein kleines Büchlein gezeichnet. Das war manchmal für alle sehr, sehr lustig! Wir konnten uns immer und überall nett unterhalten.

Wo gab es das beste Essen, wo die schönsten Männer/Frauen?

Das Streetfood in Hanoi ist toll! Die beste Pho gab es in Bangkok. Die besten vegetarische Küche bekamen wir in Geyzing, Sikkim. Und die ungewöhnlichsten Speisen kochten uns die Frauen der Maï Savanh Lao-Farm in Laos. Die schönsten Männer fielen mir in den marokkanischen Bergdörfern auf. Manche dieser Bauern oder Schäfer wären ohne Weiteres als Filmstars durchgegangen!

Was fällt dir nun in Wien besonders auf?

Wie sauber es hier ist. Wie groß – und teuer – die Autos und Straßen sind. Und wie verhärmt die Menschen aussehen, wie grantig und unzufrieden.

Was fällt dir nun in der Arbeit besonders auf?

Wie viel unnötiges Zeugs ich machen muss. Unnötig im Sinne der Weiterentwicklung der (Bio-)Landwirtschaft. Und wie nett meine Kolleginnen sind.

Welche sind deine zehn Lieblingsfotos des Jahres?

Marokko, Sabbatical, Berberin, Safran, organic17

Diese Berberin sprach weder Englisch noch Französisch. Trotzdem lud sie mich in ihr Haus zum Essen ein. Dann ging sie wieder an ihre Arbeit: Safranfäden ernten. Foto: Reinhard Geßl, organic17.org

Hoher Atlas, Sabbatical, Trekking, organic17

Einer von vielen wunderschönen Schlafplätzen während unserer Treks. Die Kälte sieht man hier nicht. Foto: Reinhard Geßl, organic17.org

Weiße Wüste, Sabbatical, organic17

Die Weiße Wüste ist eine der bizzarsten Landschaften, die ich kennenlernen durfte. Foto: Reinhard Geßl, organic17.org

Hanoi, Vietnam, Sabbatical, organic17

Im Zentrum Hanois versuchen viele Menschen, auf unterschiedlichste Art zu Geld zu kommen. Bei Tag und auch bei Nacht. Foto: Reinhard Geßl, organic17.org

Vietnam, Red Dzao, Sabbatical, organic17

In dieser „Küche“ kochte unsere Zimmerwirtin des „Red Dzao“-Volks traditionelle Speisen. Am offenen Feuer und nicht unbedingt in rückenschonender Höhe. Foto: Reinhard Geßl, organic17

Vietnam, Ha Long, Sabbatical, organic17

Auf der Insel Dao Quan Lan in Nordvietnam sahen wir Frauen auf rätselhafte Weise über das während der Ebbe freiliegenden „Watt“ gehen. Diese alte Dame zeigte uns dann, wie sie Muscheln im Schlamm findet. Foto: Reinhard Geßl, organic17

Laos, Luang Prabang, Markt, Sabbatical, organic17

Diesen Bub hat der Schlaf völlig überraschend mitten im Geschäft seiner Eltern in Luang Prabang erwischt. Foto: Reinhard Geßl, organic17

Laos, Rinder, Mai Savanh Lao, Sabbatical, organic17

Die Rinder der Mai Savanh Lao Farm haben – wie alle Rinder in Laos – Stricke durch die Nasen, um sie zu fangen. Le kann sie aber auch ohne Zwang streicheln. Foto: Reinhard Geßl, organic17

Kambodscha, Kampong Cham, Bambusbrücke, Sabbatical, organic17

Über die längste Bambusbrücke der Welt in Kampong Cham rumpeln die Transportfahrzeuge. Die Pferdekutschen sind überraschend schnell unterwegs. Foto: Reinhard Geßl, organic17

Sikkim, Kloster, Mönche, Sabbatical, organic17

Die buddhistischen Mönche im Norden Sikkims sind entspannt und freundlich. Foto: Reinhard Geßl organic17

Wann geht’s wieder in die Ferne?

Das wird sich ergeben. Ich habe gelernt, dass ich warten muss, bis die Zeit reif ist.

Schreibst du nun ein Buch? Machst du eine Diaschau?

Nein. Warum auch?

Beitrag von

Sonja Wlcek
Sonja Wlcek
Ich bin Sonja Wlcek, Bio-Schweineexpertin, Beratungsleiterin und Hobby-Grafikerin.