Die Gärten von Marrakesch – Jardin Majorelle und Anima

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Marokko ist ein karges Land. Sattes Grün erfreut das Auge eher selten. Umso erstaunlicher ist es, dass in Marrakesch gleich zwei Gartenanlagen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, zu einem Besuch laden. Der Jardin Majorelle, Yves Saint Laurents Erbe, sowie Anima, André Hellers Vision. Wir haben die beiden in ihrer Unterschiedlichkeit kennengelernt.

Jardin Majorelle – ein Garten sieht blau

Der Jardin Majorelle im Zentrum Marrakeschs zählt zu den ganz großen TouristInnenattraktionen Nordafrikas. Auch wir verfielen der Verlockung und werden heuer als zwei von etwa 700.000 Garteninteressierten geführt werden. Die Geschichte zum 1947 eröffneten Palmengarten nehmen wir aus dem Prospekt:

Ein erster Blick in den Jardin Majorelle

Ein erster Blick in den Jardin Majorelle

1917 verliebte sich der französische Maler Jacques Majorelle in Marrakesch. 1923 entschied er dort wohnen zu wollen und einen (Palmen-)Garten anzulegen. Die Gestaltung und Begrünung mit exotischenPflanzen aus aller Welt sollte zu einer Lebensaufgabe werden. 1931 beauftragte er zudem den Architekten Paul Sinoir am Grundstück ein Artelier im Art Deco-Stil zu bauen. Die Außenwände wurden in „Majorelle-Blau“ gestrichen. Als der Maler 1962 starb, geriet auch der Garten in Vergessenheit. Aber nicht ganz, denn auch der Modeschöpfer Yves Saint Lautent verliebte sich in Marrakesch und gleich mit dazu in dieses Gesamtkunstwerk. Gemeinsam mit Pierre Bergé rettete er das Grundstück vor den Immobilienhaien, und veranlasste die Neugestaltung. Nach seinem Tod im Jahr 2008 ging der Garten in die gemeinnützige Pierre Bergé-Stiftung über. Heute ist der Garten weltberümt.

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Anima Garden – eine Vision von André Heller

Die Historie von Anima Garden ist jung. Wir ließen sie uns nach einem sehr herzlichen Empfang vom Generalmanager erzählen. Der österreichische Ausnahmekünstler André Heller gebar wieder einmal eine seiner fantasievollen Ideen. In Anbetracht seines Lebensalters war es ihm diesmal wirklich ernst. Er legte all seine Ersparnisse zusammen und trennte sich weiters von fast all seinen Objekten, Grundstücken und Kunstwerken. Um in Marokko nach einem geeigneten Flecken Erde für seinen Alterssitz zu suchen. Aber nicht nur das, er wollte zu seinem Haus auch einen Garten, und zwar einen großen und vor allem fantastischen.

Das Land fand er etwa 50 Kilometer südwestlich von Marrakesch am Fuße des Hohen Atlas. Weiters suchte und fand er Gregor Weiss, einen im arabischen Raum erfahrenen und erfolgreichen Manager mit herausragenden Kommunikationsfähigkeiten. Allerdings ohne jegliche Gartenkenntnisse.

Anima Garten Gregor Weiss_Foto Gessl

Gregor Weiss vor dem Cafe im Anima Garden

Im Gespräch erzählte Gregor Weiss vor allem von den Herausforderungen, das umzusetzen, was in André Hellers Kopf – und nur dort – sehr konkret war. Die Vorstellungen waren groß, in jeder Hinsicht – wie sollte es anders sein? Woher nimmt man nun zum Freundschaftspreis dutzende 50 m hohe Palmen? Wie und wann transportiert man diese über schmale, holprige Passstraßen? Oder auch elefantengroße Kakteen, deren Verzweigungen beim bloßen Anschauen fast schon abzubrechen scheinen? Wie schafft man im schweren, roten Lehm die richtigen Voraussetzungen für die Ansprüche der hunderten unterschiedlichen Pflanzen? Wie kombiniert man Kunstwerke weltberühmter Künstler mit dem saftigen Grün?

Am Anfang gab es das Nichts - und Andre Hellers Vision

Am Anfang stand das Nichts – und Andre Hellers Vision

Gregor Weiß lächelt und sagt: „In Marokko geht (fast) alles, wenn man auf der einen Seite weiß, wen man wie und wann fragen muss und auf der anderen Seite, wen man in keinem Fall von seinem Vorhaben erzählen darf.“ Das Ergebnis erstaunt in jeder Hinsicht. Denn das gigantisch sinnliche Ambiente lässt keine Sekunde erahnen, dass vor sechs Jahren hier nur ein paar verdorrte Dornbüsche einer aufgelassenen Rosenfarm gestanden haben.

Anima und Bio?

Und was hat Anima mit Bio zu tun? „Noch nichts, außer dass wir den roten Boden sorgsam bewirtschaften und so vor Erosion schützen“, sagt Gregor Weiß und betont dabei das Noch. „Jetzt, wo alles so schön gedeiht, können wir unsere Gedanken den nächsten Schritten widmen. Im Moment werden die ersten Solarpanele verlegt, um irgendwann einmal energieautark wirtschaften zu können. Ein weiteres Ziel ist, den Garten besonders wassersparend nach den Grundsätzen der Biologischen Landwirtschaft zu führen. Gregor Weiss sagt dazu: „Nur nichts überstürzen. Wenn es Zeit ist, wird der oder die Richtige auftauchen und aus den Ideen werden Lösungen.“

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Beitrag von

Reinhard Geßl
Reinhard Geßl
Mein Herz schlägt beruflich seit 25 Jahren für eine ökologisch-tiergerechte Landwirtschaft. Die Zukunft der Landwirtschaft kann nur so aussehen! Ich sehe es als meine Berufung, ProduzentInnen und KonsumentInnen zusammen zu bringen.