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Im Seidenhimmel von Laos – Vom Maulbeerblatt zum Kokon

Organic

Was wissen wir in Europa schon von der Seidenproduktion? Wenig! Das ist keineswegs verwunderlich, denn die Seidenraupen spinnen heute meist im Fernen Osten. Dort geben sie es günstiger. Unser Forschungs-Sabbatical spülte uns nun auf die Seidenfarm Mai Savanh Lao im Süden von Laos. Da die Seidensaison erst wieder mit dem großen Regen im Mai beginnen wird, ließen wir uns die Arbeitsschritte eines Seidenbauern erklären und in Bildern zeigen.

Start mit Geldern der Entwicklungszusammenarbeit

Die Geschichte von Mai Savanh Lao hat Sonja in ihrem Blog-Beitrag „Mit Begeisterung Gutes tun“ sehr schön beschrieben. Mit der Begeisterung  und Geldern aus der Entwicklungszusammenarbeit aus der W.P. Schmidt-Foundation und der Glad hat alles angefangen. Die Unterstützungsgelder laufen in Kürze aus, erzählt uns Michael Schneider, der deutsche Leiter des bio- und fairtrade-zertifizierten Betriebes. „Das deutsche Geld hat uns unterstützt, alle am Projekt teilnehmenden Familien bestmöglich auszustatten und mit Informationen zu versorgen.“ Aber der Reihe nach.

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Seidenraupe kurz nach dem Schlupf und kurz vor dem Verpuppen (Foto: Mai Savanh Lao)

Die spinnen: 1500 Meter Seide für einen Kokon

Seide wird von Seidenraupen in deren Munddrüsen gesponnen. Bevor sich die Raupen zum Seidenspinner – einem uneitlen Schmetterling mittlerer Größe – entwickeln, verpuppen sie sich. Um nicht schutzlos in der Gegend herumzuliegen, spinnen sie sich in einen festen Kokon aus rund 1500 Meter feinsten Faden ein. Bis es soweit ist, durchleben die Raupen einen Entwicklungszyklus. Alles beginnt mit einem Ei aus thailändischer Hybridzucht. 30.000 schlupffertige Eier kleben auf einem DIN A4 großen Blatt. Alle Raupen schlüpfen nach kurzem Bebrüten gleichzeitig. Dann folgen fünf Altersstadien, die zwischen zwei und sieben Tage dauern. Die ersten drei Stadien verbringen die Nutztiere auf Mai Savanh Lao, die abschließenden zwei ebendort oder bei Familien in den umliegenden Dörfern.

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Die Blätter des Maulbeerbaumes sind das alleinige Futter der Seidenraupen

Fressen, scheißen, schlafen

Seidenraupen fressen Maulbeerblätter. Und das fast rund um die Uhr. Daneben bleibt nur Zeit für Ausscheiden und kurzes Schlafen. Wenn ihnen die Haut zu eng wird, häuten sie sich, ein neues Alter beginnt. Jede Störung, sei es auch nur zu warme oder schlechte Luft durch Parfum oder Zigarettenrauch, quittieren die Tiere mit einem Entwicklungsschock, der sich später in mangelnder Seidenqualität wiederfindet.

Wie kommen die Seidenraupen zu den Familien?

Michael Schneider stellt in Dorfversammlungen das Projekt und die notwendigen Handgriffe vor. Jene Familien, die sich für dieses sichere und faire Zusatzeinkommen entscheiden, müssen für den Start ein genügend großes Feld für die 3000 Maulbeersetzlinge vorbereiten, Löcher für die Steher des Stacheldrahtzauns ausheben sowie Bambus für die Inneneinrichtung vorbereiten. Der Stacheldraht und die Maulbeersetzlinge kommen kostenlos von Mai Savanh Lao. So wie auch alles Weitere.

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Bevor die ersten Seidenraupen auf den Hof kommen, bekommen die Seidenraupenbäuerinnen eine Einschulung (Foto Mai Savanh Lao)

Geschenkt!

Wenn die Maulbeerpflanzen gut entwickelt sind, beginnt die eigentliche Seiden-Arbeit. Am Anfang der Kooperation muss jede Familie drei Wochen die Schulbank zu drücken, um die Aufzucht theoretisch und praktisch perfekt zu beherrschen. Dann stellt Mai Savanh Lao kostenlos das Aufzuchthaus samt Innenausstattung auf. Nach der gründlichen Desinfektion ziehen dort in der Regel 12000 Seidenraupen ein.

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Ein sehr guter Seidenraupenaufzuchtstall: frisches Futterangebot, schön entwickelte Seidenraupen (Foto: Mai Savanh Lao)

Seidenproduktion ist 14 Tage intensive Stallarbeit

Die Raupen leben die kommenden zwei Wochen im Aufzuchthaus auf einem Netz, das auf einem Bambusgestell liegt. Die Familie pflückt nun jeden Morgen frische Maulbeerblätter und schichtet sie dreimal täglich locker über die Tiere. Wenn diese sich an die Oberfläche gefressen haben, heben ihre Betreuerinnen das Netz an, entfernen die alten Blätter und sammeln den wertvollen Wurmkot. Nach etwa 14 Tagen sind die Raupen bereit: Sie verpuppen sich auf einem speziellen Drahtgeflecht.

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Die Seidenkokonernte wird beurteilt und in bar bezahlt (Foto: Mai Savanh Lao)

Geld gegen Seide und Kot

Sobald die Kokons fertig sind, werden sie nach Größe vorsortiert. Im besten Fall wiegen 50 Kokons mehr als 100 Gramm. Die „Ernte“ der Seidenproduktion – also Seidenkokons und Wurmkot – wird von Michael Schneider und seinem Team abgeholt. Die Familien bekommen ihren fairen Lohn in bar ausbezahlt.

Wie aus den Seidenkokons zuerst Rohseide und dann ein fertiger Seidenschal wird, erzähle ich im nächstfolgenden Blogbeitrag.

Für eine feine Darstellung klicke bitte ins erste Bild.

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Beitrag von

Reinhard Geßl
Reinhard Geßl
Mein Herz schlägt beruflich seit 25 Jahren für eine ökologisch-tiergerechte Landwirtschaft. Die Zukunft der Landwirtschaft kann nur so aussehen! Ich sehe es als meine Berufung, ProduzentInnen und KonsumentInnen zusammen zu bringen.