Sacha Inchi Bergnuss Mai Savanh Lao organic17

Die (Berg)Nuss der Zukunft: Superfood, Jungbrunnen und Muskelprotz

Food, Organic

Wissen Sie, was eine Bergnuss ist? Oder eine Berg-Erdnuss, Inka-Nuss, Sacha Inchi? Niemand – und ich frage mittlerweile praktisch jeden europäischen Touristen, der mir hier unterkommt – kennt diese Pflanze. Ich bis vor drei Wochen auch nicht.

Sacha Inchi Bergnuss Abendstimmung Mai Savanh Lao organic17Sacha Inchi heißt Berg Nuss

Seit dieser Zeit helfen wir hier am Bio-Betrieb von Mai Savanh Lao am Bolavenplateau in Südlaos mit. Und haben die Bergnuss (Plukenetia volubilis) sehr gut kennengelernt. Sie wächst nämlich hier auf sieben von 25 Hektaren, die Laoten nennen sie Mak Tua Dao. Plukenetia volubilis stammt ursprünglich aus Südamerika und wird in Quechua „Sacha Inchi“ genannt. „Sacha“ bedeutet so viel wie Hügel oder Berg und „Inchi“ sind die Erdnüsse. Auf deutsch müsste man sie also Berg Erdnuss nennen. Nachdem sie aber nicht in der Erde wächst, trifft der Name Bergnuss besser zu.

Von Grün bis weiß

Diese Pflanze gedeiht sehr gut im subtropischen Klima von Laos oder Thailand. Schon neun Monate nach dem Einsetzen des Samens können die ersten Nüsse geerntet werden. Die Pflanzen sind mehrjährig und ranken sich – wenn sie Gelegenheit dazu bekommen – rasch mehrere Meter hoch. Sie bilden das ganze Jahr über Früchte, müssen dazu aber hier in Südostasien während der Trockenzeit bewässert werden.

Bergnuss Sacha Inchi Ernte Mai Savanh Lao organic17

Die Früchte sind wunderschön sternförmig und zu Beginn grasgrün. Im Verlauf der Reife ändert sich die Farbe von grün über hell- zu dunkelbraun, dann springt die Frucht auf. Zum Vorschein kommt eine sternförmige, in vier bis sechs Segmente geteilte Nuss mit harter Schale. Wenn die Nuss weiter trocknet, springen die Kammern auf und aus jeder fällt ein flach-runder Nusskern. Dieser besteht aus einer dunkelbraunen Hülle und einem reinweißen Inneren.

Sacha Inchi Bergnuss Sonnentrocknung Mai Savanh Lao organic17

Trockenes Knabbern bei optimalem Fett

Roh schmecken die Bergnuss-Kerne ziemlich bitter und hinterlassen im Mund ein unangenehm pelziges Gefühl. Geröstet – und leicht gesalzen – schmecken sie dagegen wirklich gut: als Knabberkerne oder in der asiatischen Gemüsepfanne. Dann zeigen sie einen extrem knackigen Biss und zerfallen erstaunlich trocken im Mund. Die Kerngröße ist angenehm zum Knabbern. Geschmacklich erinnern sie an Erdnüsse, kommen aber deutlich milder daher. Vielleicht vergaben die Peruaner deshalb das „Inchi“? Im Abgang dann leichte Röstaromen.

Sacha Inchi Bergnuss Sortierung Mai Savanh Lao organic17

Überraschenderweise schmecken die Bergnuss-Kerne nicht ölig oder verklumpen im Mund. Obwohl sie es in sich haben: Sie enthalten immerhin zwischen 48 und 54 Prozent Fett. Und das ist auch gleich das Interessante an dieser Nuss: Ihr Öl besteht zu etwa 90 Prozent aus ungesättigten Fettsäuren. Und zwar vor allem aus mehrfach ungesättigten (siehe Tabelle 1).

Tabelle 1: Fettzusammensetzung verschiedener Nüsse in Gramm pro 100 Gramm, Quellen: (4) bzw *(5)

 
Fett gesamt
SFA
MUFA
PUFA
Linolsäure
18:2n-6
α-Linolensäure
18:3n-3
Bergnuss*
48,5
7,2
8,5
77,7
33,9
43,9
Mandel
50,6
3,9
32,2
12,2
12,2
0,00
Paranuss
66,4
15,1
24,5
20,6
20,5
0,05
Cashew
46,4
9,2
27,3
7,8
7,7
0,15
Haselnuss
60,8
4,5
45,7
7,9
7,8
0,09
Macadamia
75,8
12,1
58,9
1,5
1,3
0,21
Erdnuss
49,2
6,8
24,4
15,6
15,6
0,00
Pekannuss
72,0
6,2
40,8
21,6
20,6
1,00
Pinienkern
68,4
4,9
18,8
34,1
33,2
0,16
Pistazie
44,4
5,4
23,3
13,5
13,2
0,25
Walnuss
65,2
6,1
8,9
47,2
38,1
9,08
SFA…Saturated Fatty Acids (=gesättigte Fettsäuren); MUFA…Monounsaturated Fatty Acids (=einfach ungesättigte Fettsäuren); PUFA…Polyunsaturated Fatty Acids (=mehrfach ungesättigte Fettsäuren)

Weniger Omega-6 besser für Veganer

Omega-3 sind jene Fettsäuren, die die letzte Doppelbindung am dritten Kohlenstoffatom – vom Carboxy-Ende aus gesehen – sitzen haben (it’s chemistry, stupid!). Die bekannteste ist die α-Linolensäure (18:3n-3), und sie ist die einzige Omega-3-Fettsäure, die in Pflanzen vorkommt. Diese Fettsäure können wir Menschen in unserem Körper nicht selbst „bauen“, sie ist also essenziell (=notwendig) und muss in ausreichender Menge gegessen werden. Linolsäure (18:2n-6) ist eine ebenso essenzielle Fettsäure, zählt aber zu den Omega-6-Fetten.

Bergnuss Sacha Inchi Endsortierung Mai Savanh Lao organic17

Damit Bergnuss-Kerne gut schmecken, werden sie entschaelt und geroestet. Vor dem Verpacken werden sie ein weiteres Mal sortiert.

Sowohl Omega-3- als auch Omega-6-Fettsäuren sind Ausgangssubstanzen für die Bildung von Eicosanoiden. Eicosanoide sind hormonähnliche Verbindungen, die im Körper als Signalstoffe wirken. Stark vereinfacht lässt sich sagen: Jene aus Omega-6-Fettsäuren gebildeten wirken entzündungs- und krebsfördernd sowie gefäßverengend, jene aus Omega-3-Fettsäuren gegenteilig. Ernährungsexperten empfehlen daher ein Omega-6 zu Omega-3-Verhältnis von höchstens 4:1 bis 6:1. Vor allem Veganer nehmen mit ihrer Art der Ernährung höhere Mengen an Omega-6-Fettsäuren auf, sodass ihr Verhältnis bei 14-20:1 liegt.

Öl für Salat, Pesto oder für die reife Haut

Und hier kommt wieder die Bergnuss ins Spiel! Das – bei Mai Savanh Lao kaltgepresste – Bergnuss-Öl weist eines der besten Omega-6- zu Omega-3-Verhältnisse aller Pflanzenöle auf (Tabelle 2). Es wird nur von Leinöl übertroffen, dessen Geschmack aber nicht jedermanns Sache ist. Das hellgelbe Bergnuss-Öl riecht und schmeckt dagegen angenehm mild nach zerriebenen Blättern oder grünen Bohnen. Da es aufgrund der unglaublich vielen ungesättigten Fettsäuren nicht erhitzt werden sollte, eignet es sich am besten für Salatdressings, im Pesto oder für einen gesunden Schluck jeden Morgen.

Neben der optimalen Fettsäuren-Zusammensetzung weist das Bergnuss-Öl mit 176 mg/100 g einen außergewöhnlich hohen Tocopherol-Gehalt auf, der als Oxidationsschutz dient und es damit gut haltbar macht. Mit diesen Inhaltsstoffen bietet es sich als Körper-Öl regelrecht an – vor allem für reife, trockene oder entzündliche Haut. Bergnuss-Öl fettet lange nach, könnte also hervorragend in Massageölen Verwendung finden.

Tabelle 2: Fettsäure-Zusammensetzung verschiedener Pflanzen-Öle in Prozent des Gesamtfetts, Quellen: (2) bzw. *(3)

Ölsäure
18:1
Linolsäure
18:2n-6
α-Linolensäure
18:3n-3
Omega-6:Omega-3
Leinöl 20,0 15,5 53,4 0,29 : 1
Bergnuss-Öl (aus Peru) 10,7 33,5 44,0 0,66 : 1
Olivenöl 74,3 8,4 0,6 14 : 1
Maiskeim-Öl 28,5 56,0 0,9 66 : 1
Sonnenblumen-Öl 60,2 29,0 0,37 78 : 1

Besserer Geschmack für Sportler-Nahrung

Bergnuss Sacha Inchi Produktpalette Mai Savanh Lao organic17

Die Bergnuss-Produktpalette von Mai Savanh Lao.

Nachdem Bergnüsse neben dem hohen Ölgehalt auch etwa 25 Prozent Eiweiß enthalten, bleibt als Rückstand nach der Ölpressung ein sehr proteinreiches Pulver übrig. Dieses Eiweißpulver enthält zwischen 52 und 60 Prozent Protein und weist im Vergleich zu anderen Samen vor allem einen hohen Gehalt an schwefelhältigen Aminosäuren (Methionin und Cystein) auf (1).

Das Bergnuss-Proteinpulver riecht nach jungen Frühlingsblättern. Es schmeckt süß-nussig und erinnert an Akazienhonig. Im Mund fühlt es sich rund an, und winzige Kristalle kitzeln auf der Zunge. Löst man es in Wasser auf, erscheint ein Hauch von grünen Bohnen wie in den Nüssen. Ansonsten schmeckt dieser Drink süß-milchig nach Babybrei mit feinen Karamellnoten. Meiner bescheidenen Ansicht nach müssten Hersteller der derzeit so gehypten bio und veganen Sportler-Nahrung dieses Bergnuss-Pulver dringend in ihre Mischungen einbauen, um den Geschmack ihrer Proteinpulver zu verbessern!

Noch ist es aber nicht so weit. Niemand in Europa kennt Bergnüsse, Mak Tua Dao, Sacha Inchi oder Inka-Nüsse. Und hat daher kein Interesse, Bergnuss-Produkte zu kaufen. Es wäre an der Zeit, dass sich das ändert. Denn: Diese Nuss hat es in sich!

Webtipps:

Bergnüsse/Sacha Inchi/Mak Tua Dao von Mai Savanh Lao

Allgemeine Vorstellung der Berg-Erdnuss oder Sacha Inchi

Vergleich der Fettzusammensetzung von verschiedenen Lebensmitteln, u.a. Nüssen

Hier die verwendete wissenschaftliche Literatur zum Download:

(1)   Amino Acid and Fatty Acids Profiles of the Inca peanut (plukenetia volubilis)
(2)    Characterization and authentication of a novel vegetable source of omega-3 fatty acids, sacha inchi (Plukenetia volubilis L.) oil
(3)    Chemical Composition Of Sacha Inchi
(4)    Fatty acid composition of nuts – implications for cardiovascular health
(5)    Sacha Inchi as a potential source fo essential fatty acids and tocopherols

(Mountain) Nut Of The Future: Superfood, Young Fountain and Muscleman

Do you know what a mountain nut is? Or a mountain peanut, Inca nut, Sacha Inchi? Nobody – and I asked practically every European tourist here – knows this plant. I did not do it until three weeks ago.

Sacha Inchi means Mountain Nut

Since this time, we are helping here at the organic farm of Mai Savanh Lao at the Bolaven plateau in South Laos. And have met the mountain nut (Plukenetia volubilis) very well. Here it grows on seven out of 25 hectares, the Lao people call it Mak Tua Dao. Plukenetia volubilis is native in South America and is called „Sacha Inchi“ in Quechua language. „Sacha“ means as much as hill or mountain and „Inchi“ are the peanuts. That’s why in English we would call them Mountain Peanut. But they are not growing in the ground, so the name Mountain Nut is better.

From green to white

This plant thrives very well in the subtropical climate of Laos or Thailand. The first nuts can be harvested nine months after the seed has been inserted. The plants are perennial and, when they get the opportunity to do so, grow rapidly several meters high. They form fruits all year round, but they have to be irrigated here in Southeast Asia during the dry season.

The fruits are beautifully star-shaped and at the beginning grassy green. As the maturity changes, the color changes from green to light brown, then the fruit jumps. A star-shaped nut divided into four to six segments with a hard shell appears. When the nut dries further, the chambers jump up and out of each falls a flat-round nut kernel. This consists of a dark brown casing and a pure white interior.

Dry nibbling with optimal fat

Raw, the peanut kernels taste quite bitter and leave an unpleasant furry feeling in the mouth. Roasted – and slightly salted – they taste really good: as nibbles or in an Asian vegetable pan. Then they show an extremely crunchy bite and disintegrate surprisingly dry in the mouth. The core size is pleasant to nibble. The taste reminds on peanuts, but is much milder. Maybe that’s why the Peruvians gave the „Inchi“? On the finish then light roasted aromas.

Surprisingly, the peanut kernels do not taste oily or clumped in the mouth. Although they contain between 48 and 54 percent of fat. And that’s an interesting point on this nut: Their oil contains about 90 percent of unsaturated fatty acids. These are mainly polyunsaturated fatty acids (see Table 1).

Less omega-6 are better for vegans

Omega-3 are those fatty acids showing the last double bond at the third carbon atom counted from the carboxy end (it’s chemistry, stupid!). The most famous is α-linolenic acid (18: 3n-3), and it is the only omega-3 fatty acid found in plants. This fatty acid we can not „build“ in our body for ourselves, so it is essential (= necessary) and must be eaten in sufficient quantity. Linoleic acid (18: 2n-6) is an equally essential fatty acid, but belongs to the omega-6 fats.

Both, omega-3 and omega-6 fatty acids are starting substances for the formation of eicosanoids. Eicosanoids are hormone-like compounds which act as signal substances in our body. In simple words: Those eicosanoids, that are formed from omega-6 fatty acids, have an inflammatory, carcinogenic and vasoconstrictory effect, whereas those from omega-3 fatty acids are contrary. Nutrition experts therefore recommend an omega-6 to omega-3 ratio of at most 4:1 to 6:1. Above all, vegans take higher amounts of omega-6 fatty acids with their type of diet, so their ratio is 14-20:1.

Oil for salad, pesto or mature skin

And here there is another advantage in mountain nuts! The cold-pressed oil has one of the best omega-6 to omega-3 ratios of all vegetable oils (Table 2). It is surpassed only by linseed oil, but its taste is not everyone’s thing. The light yellow mountain nuts oil smells and tastes pleasantly mildly and reminds on grated leaves or green beans. Since it should not be heated due to the incredibly unsaturated fatty acid content, it is best for salad dressings, pesto or for a healthy swallow every morning.

In addition to the optimal fatty acid composition, the mountain nut oil has an exceptionally high tocopherol content (176 mg per 100 g), which serves as an oxidation protection. Thus makes it very durable. With these ingredients, it can be used as a body oil – especially for mature, dry or inflammatory skin. Mountain nut oil greases for a long time, so it could be used in massage oils excellently.

Better taste for athletes‘ food

Additionally to the high oil content, mountain nuts contain about 25% protein. That’s why a very protein-rich powder remains after oil pressing. This protein powder contains between 52 and 60 percent of protein and has compared to other seeds an high content of sulfuric amino acids (methionine and cysteine).

The mountain nut protein powder smells of young spring leaves. It tastes sweet-nutty and reminds on acacia honey. In the mouth it feels round, and tiny crystals tickle on the tongue. If dissolved in water, a hint of green beans appears. Otherwise this drink tastes sweet-milky after baby porridge with fine caramel notes. In my humble opinion, producers of organic and vegan athletic food would urgently have to incorporate this mountain nut powder into their mixtures to improve the taste of their protein powders!

But: No one in Europe knows mountain nuts, Mak Tua Dao, Sacha Inchi or Inca nuts. And therefore, no one has an interest in buying mountain nut products. It would be time to change. Because this nut is the next superfood!

Beitrag von

Sonja Wlcek
Sonja Wlcek
Ich bin Sonja Wlcek, Bio-Schweineexpertin, Beraterin, freie Journalistin und Hobby-Grafikerin.